Auch digitale Wolken werfen Schatten

Kritische CeBIT-Beobachtungen

Alle Welt hat die diesjährige CeBIT bejubelt. Der Branche geht es gut, die Cloud hat sich als medienwirksames Thema ebenso bewährt wie die Tablet-Rechner. Sogar die Besucherzahlen habe sich verbessert - heißt es. 

Zum Besucherrekord: „Der Warnstreik (der Lokführer) hat uns am Freitag 10 000 Besucher gekostet“, klagt CeBIT-Chef Ernst Raue, aber nur, um seinen Erfolg noch größer strahlen zu lassen. Tatsachlich ist es ihm und seiner Crew gelungen 339 000 Besucher (5000 mehr als im Vorjahr) auf die Messe zu locken. Der Verdacht liegt nahe, dass die Messe diesen Erfolg der verstärkten Ausrichtung auf Konsumenten verdankt. Nein, nein, widersprechen die Veranstalter in ihrer Abschluss-Meldung: „Insgesamt kamen mehr als 80 Prozent der Gäste aus beruflichem Interesse.“ Ob dazu wohl die Gamer zählen, die für ein fünfstelliges Preisgeld Baller-Spiel-Weltmeister werden wollten. Oder waren die Kids gemeint, die das Rekrutierungsbüro der Bundeswehr massenweise auf seinen mit Militär-Technik und Uniformen protzenden Anwerbestand in Halle 6 gelockt hat. Beim Publikumsansturm konnte hier eigentlich nur noch MIcrosoft mithalten.  

Insgesamt beträgt der Zuwachs an Besuchern noch nicht einmal ein Prozent, so dass angesichts der rundum positiven Stimmung in der Branche und den von Rückkehrern wie Oracle, HP, Xerox, Canon, Motorola und Siemens Enterprise Communications eingeladenen Kunden nur unter Vorbehalt von einer Trendwende auszugehen ist. 

Eigentlich auf System-Management gemünzt, wünscht sich so mancher in der IT, dass die Erde wieder eine Scheibe (eine flat world) wird. 

 

 


Licht über und Schatten unter der Wolke:
Das Messethema Cloud hat definitiv funktioniert – zumindest medial. So hat sich selbst Microsoft ohne wenn und aber hinter dieses Konzept gestellt, mit dem das bisherige Geschäftsmodell kannibalisiert wird. Die Nachricht, dass natürlich auf Kundenwunsch weiterhin „On-Premise-Software“ angeboten würde, wurde in Nebensätze abgedrängt. Und so lobte Microsoft sich selbst für Windows 7 und lud dazu ein winzige Marshmallow-Wölkchen zu naschen. Deutlicher wurde Fujitsus Cheftechnologge Joseph Reger: „Cloud-Produkte gibt es bislang nur wenige und das Konzept wird auf eine Nische beschränkt bleiben.“ Er verweist auf ein Problem, das nicht nur den japanischen Konzern umtreiben dürfte: Die vielen Sprachen und Kulturen - vor allem in den lukrativen europäischen Märkten machen es den Verantwortlichen schwer aus globalen Cloud-Konzept ein ebenso globales Geschäftsmodell zu generieren. Doch das werde in Japan erforscht, sagt Reger und verweist damit auf die eigentliche Botschaft seines Konzerns, der die einstige Siemens IT inzwischen vollständig verschlungen hat. 

Statt der einstigen Versprechen, die hiesigen Niederlassungen würden welttweit für Entwicklung und Vermarktung moderner Server-Technik zuständig sein, heißt es vom neuen Statthalter Rolf Schwirz nur noch: „Es gibt noch Entwicklungszentren in Paderborn und Augsburg“. Ansonsten aber wird kommuniziert: Hardware- und Software-Produkte (auf für Europa) kommen künftig aus Japan. Warum auch sollte man noch Software für die verschiedenen europäischen Länder entwickeln, wenn oder falls sich das globale Cloud-Modell durchsetzt. Laut Schwirz sind die japanischen Cloud-Überlegungen vor allem so weit gediehen, als man die Wolke für Unternehmesnkunden sicher machen müsse und man Fujitsus Geschäftsmodell von Lizenzeinnahmen auf Pay-per-use umstellen wolle. Ob das gute Nachrichten aus der Wolke sind, mögen die nicht-japanischen Kunden des Konzerns selbst beurteilen. 

Wolken über den ERP-Anbietern: Zum Abschluss ein Thema, dass den einstigen Systems-Veranstaltern  in München so langweilig erschien, dass sie darüber (und aus weiteren Gründen) ihre IT-Messe in Grund und Boden modernisierten: Betriebswirtschaftlche Software, Enterprise Ressource Planning (ERP). Wie jedes Jahr veröffentlichte der Konradin-Verlag (der inzwischen keine Computerzeitung mehr hat) seine ERP-Studie und überraschte mit Harmonie. Noch nie waren die Anwendern so zufrieden mit ihren ERP-Anbietern und zwar mit allen gleichermaßen. So zufrieden waren sie, dass sich aus ihren Angaben erschließen ließ, dass sie auch das nächste ERP-Produkt beim Hauslieferanten ordern würden. Zu dieser Herstellertreue passt, dass die Studienmacher herausfanden, dass die mittelständischen ERP-Anbieter zu konservativ seien, um mit fliegenden Fahnen zum Cloud-Modell überzulaufen.

 An

Der Stand der Bundeswehr war massiv umlagert. Hier wird angesichts der bald ausgesetzten Wehrpflicht mit Technik um Berufssoldaten für High-Tech-Kriege geworben.


Wofür braucht es eine solche Studie, die nichts neues herausfindet und zudem kaum Kaufentscheidungen ermöglicht? Die Antwort wurde auf der Pressekonferenz der SAP klar. Dort wurden nach Jahren vergeblichen Bemühens erste Erfolge des Cloud-Produkts Business-by-Design gefeiert. Im Klartext: Die hiesige meist mittelständische ERP-Branche,  eine der letzte Know-How-Bollwerke in diesem Land, fühlt sich aus der Cloud bedroht und beschwört mit der erwähnten Studie seine Kunden, zu kaufen, was sie immer gekauft haben. Schließlich haben viele der Anbieter nur mit Mühe die Modernisierung in Richtung Modularität, Open-Source, Java etc. bewältigt. Ein rasches Umsteuern in die Cloud würde wohl viele überfordern und so sind die nichtssagenden Ergebnisse der Studie das Beste, was sie sich wünschen können. 

Fachkräftemangel: Es gab noch ein weiteres Generlathema auf der Messe, nämlich den allgemein beklagten Fachkräftemangel. Ja, es gibt ihn, aber er ist von der Branche selbst verschuldet. Eine Fachkraft ist für die IT-Branche immer das, was man momentan braucht. Wen man momentan nicht braucht, der wird entlassen. An langfristige Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen denken die Verantwortlichen immer erst in Situationen, wie der gegenwärtigen. Vor zwei Jahren galt ihr Interesse nur preiswerten Indern, Ägypter, vielleicht noch Ungarn. Nun sollen sogar die Frauen für die IT mobilisiert werden. Diese Art von Gleichberechtigung entdecken sonst nur kriegsführende Nationen, denen die Arbeitskräfte an der Heimatfront ausgehen, weil die Männer als Kanonenfutter verbraucht werden. Zu einem grundsätzlichen Umdenken von kapitalschaffenden Menschenmaterial zu einer menschenwürdigen Schaffung von Kapital für alle hat diese Haltung bislang nicht geführt. 

So bleibt nach dem Ende der CeBIT nur zu wünschen, dass die Cloud der hiesigen IT-Branche die Zukunft nicht allzu sehr verregnet und dass die dicksten Wolken sich auflösen oder weiterziehen bevor sie den Standort Deutschland nachhaltig schädigen. 









CeBIT 2011 mit nur scheinbar neuem Konzept

Eine kleine Messevorschau

In den Krisenjahren haben sich die Veranstalter von IT-Messen daran gewöhnt, jedes Jahr mit einem neuen Hoffnungskonzept anzutreten. Nun kann die CeBIT nicht von dieser Gewohnheit lassen. Dabei zeigen alle Indikatioren nach oben  und auch die Konkurrenz in München gibt es nicht mehr. Das diesjährige Motto lautet „Work and Life with the Cloud“.

Die neuen Kürzel, nach denen die weltgrößte ITK-Messe in diesem Jahr geordnet sind lauten pro (für professional), gov (für Behörden), life (für Konsumenten), lab (für Forschung und Entwicklung). Neu daran ist vor allem, dass die Kategorien Anwender-orientiert gewählt wurden. Ein Blick auf den Hallenplan jedoch zeigt, dass sich wenig geändert hat – was die Gewohnheitstiere untern den Messebesuchern eher beruhigen dürfte. Wie immer teilen sich Behörden und Wissenschafler die Hallen 8 und 9. Der Entertainment-Trubel und die Spiele-Meisterschaften bleiben auf die vier Hallen (20,19,22 und 23) gleich beim Nordeingang eingedämmt. 

Der Großteil der Hallen bleibt Domäne der beruflichen IT-User. Wer Rechenzentrums-Techniken sucht, findet sie wie gewohnt zusammen mit Open-Source-Angeboten in Halle 2. Auch die Netzwerker ((Halle 12 und 13) müssen sich nicht uzmsatellen.Software findet sich wie seit Jahrzenhnten gewohnt in denb Halle 3 bis 6, allerdings wurde Security in Halle 11 untergebracht. Soviel zum neuen Konzept. 

Zu den generellen Zielen gehört auch, den Besucher Technik wieder erlebbar zu machen. Neben den Gaming-Zonen soll dabei ein zweistöckiges Digital-Home helfen. Und die Webcitizens treffen sich zum Feiern des Cloud-Mottos in Halle 6.