Green IT überstrahlt Webciety

Das CeBIT-Konzept 2009

Im vergangenen Jahr reüssierte die CeBIT mit ihrem Relaunch als Lösungsmesse. Vor allem aber hat den Ausstellern das Motto Green IT so gut gefallen, dass sie das diesjährige Motto Webciety nur zurückhaltend aufgreifen.

Mit Webciety meinen die Veranstalter die Durchdringung unserer globalen Gesellschaft mit der Vernetzung aller Lebensbereiche. Darunter subsummieren sie aktuelle IT-Themen wie Cloud Computing, Enterprise 2.0, Open Source, Blogs, Wikis, Web TV und Social Networks. Das angekündigte Spektrum umfasst aber auch Telemedizin, Sicherheit im Netz, die Vernetzung von Bürger und Behörden, Car-to-Car-Kommunikation, Online-Marktplätze, Social-Netzworking und Job-Börsen. Viele dieser Themen wie Gesundheitsweien (Telehealth) und Automobiltechnik waren bereits im vergangenen Jahr zu sehen und werden dieses Jahr ausgebaut. 

Green IT, das Generalmotto des vergangenen Jahrs, ist inzwischen zum festen Bestandteil mutiert, das eine eigene Halle füllen soll. Da es dabei im Kern um das Sparen von Energie geht, hat das Motto angesichts der Probleme mit internationalen Gas- und Öllieferanten und der weltweiten Wirtschaftskrise an Aktualität gewonnen. Weil viele Aussteller das Thema erst jetzt richtig bedienen können, dürfte Green IT zum Leidwesen der Messegesellschaft das aktuelle Motto Webciety überstrahlen. Die CeBIT setzte unglücklicherweise auf einen Trend zu, der zwar im Bereich SaaS anhält, bei den Geschäftsmodellen für soziale Netze derzeit aber massiv schwächelt.
 
Auch der Dauerrenner IT-Security soll ausgebaut werden. Ähnliches gilt für die IT-Lösungen für die öffentliche Hand. Andere Klassiker wie ERP-Software verstecken sich hinter modischen Begriffen wie Business Processes, Enterprise 2.0 oder Cloud Computing. Neu ist der CeBIT-Schwerpunkt 'Internet & Mobile Solutions'.

Mit der zentralen Themenvorgabe kommt die Messegesellschaft ihrem Anspruch nach, statt Produkte zu zeigen, Lösungen vorzuschlagen und Entwicklungen durch Kongresse und ein Vortragsprogramm  zu diskutieren. Das hindert die Veranstalter jedoch nicht daran, ihr Gelände wie bisher aufzuteilen in:
- IT Infrastructure,
- Business Processes,
- CeBIT Security World,
- Communications,
- Telematics & Navigation,
- Automotive Solutions und Transport & Logistics,
- Internet & Mobile Solutions,
- Consumer Electronics,
- Public Sector Parc,
- TeleHealth/eHealth,
- future parc,
- Banking & Finance

 


Webciety ist als Motto nur halb akzeptiert

Zwei CeBIT-Vorschauen in München

Die CeBIT-Saison hat begonnen. Das Marketing-Team der Messegesellschaft muss aber eingestehen, dass in diesem Jahr wohl etwas weniger Aussteller kommen werden als im vergangenen Jahr. Während das Green-IT-Motto vom Vorjahr noch weiterwirkt, bleibt der neue Schwerpunkt „Webciety“ noch kaum sichtbar wird.

„Es hat, wie ich vorausgesagt habe, geknallt. Jetzt geht es wieder aufwärts,“ beruhigte IBMs Cheftechnologe Günther Dueck das Publikum beim Münchner Presseforum zur CeBIT 2009. Die hörten die Botschaft angesichts der weltweiten Wirtschaftskrise gerne, auch wenn Dueck nicht verrät, wann der Aufschwung wieder beginnt. Die potenziellen CeBIT-Aussteller zumindest zögern angesichts der unsicheren Situation mit Standzusagen. Umgekehrt erweisen sich moderne Internet-Firmen, die mit dem diesjähren Messemotto Webciety gelockt werden sollten, als „noch nicht Messe-affin“, wie es Reinhold Umminger, Vertriebsleiter der weltweit größten ITK-Messe ausdrückt. Sein Resümee: „Wir werden unter der Vorjahreszahl von 5800 Ausstellern bleiben“.

Auch Dueck greift das Messemotto auf, wenn er fordert, den Internet-Zugang endlich als Infrastruktur ernst zu nehmen. Zur Infrastruktur könne das Internet nur werden, wenn es wie etwa Straßen oder Wasserleitungen jedem, überall und immer zur Verfügung stehen. Angesichts der vielen Funk- und DSL-Löcher sieht er daher das Internet erst in etwa 20 Jahren als echte Infrastruktur. Hier sei der Staat gefragt, der mit klaren Vorgaben das Internet für alle etabliere, denn, so Dueck: „Infrastruktur ist eine Art Bürgerrecht.“ Tatsächlich hat die Bundesregierung am selben Tag angekündigt im Rahmen ihres zweiten Krisenpakets die flächendeckende Verbreitung des Breitbandinternets zu fördern.

Derartige Nachdenklichkeit war bei der Cloud-Computing-Keynote auf der CeBIT-Preview, der zweiten Vorbereitungsveranstaltung in München, nicht zu hören. Für Steve Garnett, Chairman des SaaS-Spezialisten Salesforce.com ist das stets verfügbare Breitbandinternet schlicht die Grundlage seines Geschäftsmodells als Anbieter von Software as a Service. Wenn sich Cloud-Computing nicht rascher und auf allen Gebieten durchsetzte, dann liege das nur an der Software-Branche, die sich an ihre angestammten Geschäftsmodelle klammere. Und viele würden damit auch untergehen.

Zu den Unternehmen die überleben wollen, gehört offensichtlich die T-Systems Multimedia-Solutions, die für das Enterprise 2.0 wirbt. Tools für die Integration von sozialen Netzwerken sollen den Unternehmen helfen Aufgaben wie Projekt- und Anforderungsmangement auf Partner auszuweiten. Für Kritik, Unternehmenskommunikation und Innovation lassen sich aber auch die Kunden einzubeziehen. Auch eine Jobbörse ist eingebaut. Abgesehen, dass Vodafone sein Musik- und Videoangebot ausbaut und Nutzern ermöglicht ihre social-network-Daten auszutauschen war von Cloud-Computing war zumindest auf den Previews mehr zu hören als zu sehen.

Green IT lebt

Dafür wirkt das Motto des vergangen Jahrs noch nach. So wird Fujitsu Siemens mit einem Null-Watt-PC (im Ruhezustand) antreten, Intel hat für das Thema einen Bereich auf seinen Stand reserviert und die Messe die halbe Halle 8.

Rittal, der im vergangenen Jahr erstmals in Hannover aufgetretene Spezialist für Rechenzentrums-Infrastruktur (Kühlung und Stromversorgung) erweitert sein grünes Rechenzentrum in diesem Jahr auf 200 Quadratmeter aus. Außerdem integriert Rittal mit RiZone das Management  physikalischer Infrastrukturen (Wärme und Sromverbrauch von Systemen) in Microsofts System-Management-Umgebung Systems Center. Der Logistiker PTV baut seine Routenplaner so aus, dass Transportunternehmen ihre Fahrzeuge benzinsparend und emissionsarm steuern können.

Aufgefallen sind ansonsten in den Previews die vielen Navigationslösungen. Außerdem hat die Messe angekündigt, dass RFID-Techniken in diesem Jahr immerhin rund 2000 Quadratmeter Standfläche belegen und auch der Government-Bereich weitet sich aus. Die notorisch unterfinanzierten Open-Source-Unternehmen lockt die CeBIT diesmal mit zum Teil sogar kostenlosen Standplätzen nach Hannover.