Systems 2006: Viel Schatten

Das halbleere Arbeitszimer für den IT-Mittelstand

30. Oktober 2006 – Die Hängepartie dauert an, die Stimmung war durchmischt. Zulauf hatten die Hallen für ERP und Security sowie das Kongresszentrum. Insgesamt sank jedoch die Besucherzahl um über zehn Prozent auf 53.000. Und das war noch nicht alles.

Manchmal werden Äußerlichkeiten zu mahnenden Symbolen. So rollte die Messegesellschaft am Westeingang zwei Teppiche aus: einen roten für die Besucher der Immobilien-Messe Expo Real und einen traurig grauen für die Systems-Interessenten, die aber schon in der U-Bahn aufgefordert wurden, zum Hintereingang im Osten zu fahren – wo es gar keinen Teppich gab.

Tatsächlich machte rasch das böse Wort von der Zweiklassen-Gesellschaft die Runde. Denn die in großen Mengen anströmenden Immobilien-Interessenten hatten nicht nur den schöneren Teppich und den Haupteingang erhalten, sondern auch Hallen im B-Trakt. Das hatte zur Folge, dass die Expo Real wie ein Riegel den Weg von den Systems-Messehallen zudem Systems-Kongressen im ICM versperrte.

Diese Unannehmlichkeiten lassen sich zum Teil mit der Fussball-WM und den Papstbesuch erklären, die den Messeplan durcheinander wirbelten. Für Verärgerung insbesondere bei den Ausstellern in Halle A1 sorgte, dass sie erst von der Verlegung des Haupteinganges nach Osten erfuhren, als eine Standverlegung nicht mehr möglich war. Schließlich hatten einige von ihnen diese Halle gebucht, weil sie sich damit direkt am Eingang wähnten und damit im Blickfeld fast aller Besucher. Das biblische Motto, wonach die Ersten die Letzten sein werden, fand bei diesen Ausstellern wenig Anklang.

Die Stimmung verbesserte sich allerdings, als sie merkten, dass vor allem Messeveteranen den Hinweis auf den Osteingang schlicht ignorierten – was dann allerdings für einiges Gedränge im Westeingang mit den Expo-Real-Besuchern sorgte. Zudem war das ERP-Thema in den ersten Hallen so zugkräftig, dass dort zum Systems-Ende die Zufriedenheit überwog. Das Resümee der Messe: "Unter den 1260 Ausstellern aus 28 Ländern herrscht zum größten Teil Zufriedenheit."

"Es läuft hier wirklich gut", lobt auch Juergen Helmle, Vertriebsleiter Presales im Geschäftsbereich Mittelstand von SAP: "Systems und CeBit sind gerade für die Neukundenansprache eminent wichtig für uns. Es ist erstaunlich wie viele Entscheider kommen."

Nicht ganz so euphorisch, aber ganz im Sinne der Messeleitung, äußert sich Trovarit-Vorstand Karsten Sontow: "Die Systems überzeugt weniger durch Masse als durch Klasse." Er hat beobachtet, dass das ERP-Forum in diesem Jahr noch besser als im Vorjahr besucht wurde.

Konkurs trübt die Stimmung

Aufregende Produktneuigkeiten gab es im ERP-Umfeld kaum. SAP-Vertriebsleiter Helmle ist stolz darauf, seine Mitarbeiter und Partner - von denen der Stand voll ist - darauf eingeschworen zu haben, die Anwender nicht mit Technologien wie Netweaver oder SOA zu verschrecken.

Dennoch wurde in München erstaunlich viel, wenn nicht über Technologie, so doch über Architekturen gesprochen. Dabei ging es den Anwendern weniger um die Technik an sich, als darum, ob sie vielleicht mit Hilfe eines Open Source-Stacks Kosten sparen oder mit Hilfe von Internet-Techniken wie Java an Flexibilität gewinnen können, die sie angesichts der ungewissen Zukunft brauchen.

In der Tat haben – ohne eigenen Stand – Anbieter wie Synerpy betriebswirtschaftliche Software als Open Source zum Nulltarif vorgestellt. Aber auch die auf kleine und mittelständische Anwender spezialisierte Sage-Gruppe setzt inzwischen auf Open Source. Das Unternehmen will künftig weltweit My SQL als Standarddatenbank für seine Produkte verwenden. Ein Open-Source-Stack für die Bäurer-Tochter von Sage soll schon in wenigen Monaten auf der CeBIT in Hannover vorgestellt werden.

Überschattet wurde der erfolgreiche ERP-Auftritt in München durch den Konkurs von Semiramis. [Semiramis gehört inzwischen dem Münchner Softwarehaus SoftM und prosperiert (Anm. gfh)] Das Unternehmen hatte mit Hilfe eines millionenschweren Investors eine hoch flexible und skalierbar ERP-Software von Grund auf mit plattformunabhänigen Internettechniken entwickelt. Die Kunden bekamen zum Beispiel die freie Wahl das System als Software as a Service via Browser zu nutzen, sich das ganze Paket ins Haus zu holen oder die Anwendungen zwischen sich und dem Dienstleister aufzuteilen. Das in Java geschriebene Programm soll nun von der KTW Software weiter entwickelt und vermarktet werden, die das de facto schon bisher getan hat. Nach Ausscheiden des Investors geht das Unternehmen allerdings etwas behutsamer vor. Nicht mehr die teure Entwicklung neuer Module steht im Vordergrund, sondern die Intensivierung des Direktvertriebs und die Eroberung neuer Märkte mit bereits bewährten Funktionen.

Trovarit-Vorstand Sontow befürchtet eine negative Signalwirkung des Semiramis-Konkurses. Mittelständische Anwenderunternehmen, die Wert auf einen verlässlichen Software-Partner legen, seien durch die vielen Übernahmen, zuletzt etwa von Baan durch Infor, oder Bäurer durch Sage, massiv verunsichert. Wenn nun auch fortschrittliche Projekte wie Serimaris scheitern, könnte das Vertrauen in die Innovationsfähigkeit mittelständischer Anbieter, wie Softm und GUS schwinden, die mit technologisch modernen ERP-Paketen ihre Zukunft sichern wollen. Von dieser Unsicherheit profitieren vor allem - scheinbar - zukunftssichere Konzerne wie SAP und Microsoft.

Systems wird zur Security-Messe

Ähnlich gefragt wie ERP-Software waren in München Lösungen für Sicherheitsprobleme. Die Systems zeigt sich hier auch als Sprungbrett für junge Unternehmen aus den östlichen Nachbarländern wie etwa die russischen Passwortspezialisten Elcom. Dominiert wird das Thema zwar auch in München von US-Anbietern wie Symantec, aber gerade in Deutschland gibt es eine ungewöhnlich hohe Zahl mittelständischer Security-Anbieter, die in Teilbereichen durchaus mit den internationalen Konzernen mithalten können. Für sie drängt sich die Systems als Messe nahezu auf.

Heimische Aussteller wie Astaro, Genua oder Utimaco haben damit sogar international einigen Erfolg. Hierbei hilft, dass Made-in-Germany bei Sicherheitsbelangen durchaus zählt. Das ist nicht nur Marketing, denn Organisationen wie das staatliche BSI auf der einen und die scharfe Lupe des Chaos Computer Clubs sorgen für hohe Qualität und Ausrichtung auf die hier zu Lande tatsächlich wichtigen Themen. Für die Messegesellschaft dürfte Security nicht nur wegen der schon bisher hohen Akzeptanz von Bedeutung sein, sondern auch weil sich das Thema leicht in Richtung Business Continuity ausbauen lässt, wie das Symantec firmenintern bereits tut.


Boomender Mobilfunk und umstrittenes RFID


Einen dritten Messeschwerpunkt bildete Communications. Dem Thema war zwar eine eigene Halle gewidmet, fand aber vor allem im Kongresszentrum statt. Dabei standen fast ausschließlich Mobilfunk-Themen im Vordergrund. Trotz der in Europa nicht gerade berauschenden Zahlen zeigen sich Politiker und Anbieter optimistisch.

Zum einen wird immer wieder der Weltmarkt zitiert, wo den Herstellern Blackberrys und Smartphone aus den Händen gerissen werden. Andererseits materialisiert sich endlich auch hier zu Lande die seit über einem Jahrzehnt propagierte Konvergenz. Als Beispiel dafür nennt Matthias Kurth, Präsident der Bundesnetzagentur die Homezones für Handys, bei denen es zunehmend gleichgültig sei, ob die Verbindung über GSM, DECT, WLAN oder UMTS hergestellt wird. Auch das Auftauchen von mobilen TV-Angeboten trägt zur Vielfalt auf einem Gerät bei.

Als Treiber für weiteres Wachstum sieht Kurth die rasch steigenden Übertragungsraten, so dass bald wieder Frequenzen zu vergeben sind - vermutlich weit günstiger als einst die UMTS-Frequenzen. Tatsächlich versteigert seine Organisation Ende des Jahres Wimax-Frequenzen. Kurth verschweigt allerdings, dass hier ein Konstruktionsfehler der UMTS-Versteigerung übernommen wurde.

Durch die Begrenzung auf 28 Regionen und 4 Pakete werden auch dieses Mal wieder vor allem Großanbieter zum Zuge kommen und die Ballungsgebiete davon profitieren, in denen ein rascher Return on investment wahrscheinlich erscheint. Damit auch kleinere Anbieter und Kommunen zum Zuge kommen, fordert etwa der eco-Verband der deutschen Internetwirtschaft eine Versteigerung auf Ebene der Kreise und kreisfreien Städte. Die wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung einer solchen Entscheidung hätte weitreichende Folgen. Ein überall verfügbarer Breitbandanschluss könnte die allseits beklagte Abwanderung der jungen Generation in die Großstädte zumindest bremsen.

Wichtiger als die gesellschaftliche Vollversorgung mit mobiler Infrastruktur waren auf der Systems allerdings wirtschaftlich lukrative Anwendungen. Der aus dem Handy-Markt ausgestiegene Siemens-Konzern plädierte vor allem für Maschine-zu-Maschine-Kommunikation, besser bekannt unter dem Kürzel RFID. Große Handelskonzerne wie Metro und Walmart experimentieren damit ebenso wie die Automobilindustrie. Sie nutzen dabei den branchentypischen Vorteil, ihren Zulieferern technische Vorgaben machen zu können. Gerade dieser Zwangscharakter von RFID macht die Technik im Mittelstand, aus dem ein Großteil der Systems- und Kongressbesucher stammen, wenig attraktiv. Im Kongress wie auf der Messe blieb RFID ein Randthema, das hier laut SAP vermutlich erst in zwei Jahren an Bedeutung gewinnt.

Breit diskutiert wurden dagegen mögliche neue Anwendungen für das Handy. Hier glänzte RIM mit seinen Blackberry-E-Mail-Geräten, während sich Palm große Mühe gibt, mit neuen Treo-Modellen im lange vernachlässigten Markt für Smartphones Boden gut zu machen.


Medientage nahmen Themen vorweg


Viel verspricht sich die Branche auch von Navigationssystemen für das Handy. Nachdem längst entsprechende Geräte serienmäßig ins Auto eingebaut werden, fehlt es den Anwendungen für Logistik, Verkehrsmeldungen, Flotten-Management etc. allerdings etwas an Neuigkeitswert.

Konkrete Beispiele für neue Anwendungen wurden allerdings weniger auf der Systems als (eine Woche zuvor) auf den Medientagen präsentiert. Dazu zählt die etwas fragwürdige Idee von Audi, den Autofahrern unterwegs die Zeitung vorlesen zu lassen. Ebenfalls auf den Medientagen wurde eine Renanimation von Local Based Services unter neuen Vorzeichen versucht. So erprobt derzeit die Bayerische Medientechnik GmbH einen Reiseführer, der Navigationssysteme und DAB-Radio kombiniert. Dabei erfährt der Nutzer des Navigationssystems auf Knopfdruck alles Wissenswerte über die Gebäude, die sich gerade in seinem Blickfeld befinden. Diese Funktion lässt sich natürlich auch für Werbezwecke nutzen.

Obwohl nur am Rande für mittelständische Unternehmer von Interesse, wurde auf den Medientagen wie auf der Systems intensiv über Handy-TV informiert und diskutiert. Inzwischen vorliegend Studien machten klar, dass sich dafür vor allem Jugendliche interessieren und auch die nur für etwa fünf bis höchstens zehn Minuten. Trotzdem gibt es für das Handy bereits eine Plattform von MFD (Mobiles Fernsehen Deutschland GmbH) mit vier digitalen Fernseh- und über hundert Rundfunkprogrammen, wenn auch bislang nur wenige Geräte auf denen die Programmen zu empfangen sind. Das eigentliche Problem ist jedoch, dass es noch kaum Formate gibt, die auf die Handy-Nutzung zugeschnitten sind.

Diese auf den Medientagen und im Kongressprogramm der Systems diskutierten Themen spielten auf dem Messegelände kaum eine Rolle - außer auf dem etwas einsam aus den kleinen Ständen herausragenden Präsentationsbereich von T-Mobile.


Zerbrochenes Porzellan


Die Communications-Halle kann als Beispiel dafür dienen, wie schwer sich die Messe inzwischen tut, ihre Themen mit Inhalten, sprich ihre Hallen mit Ausstellern zu füllen. Dabei kann man hier wenigstens darauf verweisen, dass Kommunikation in aller Breite im Kongressbereich behandelt wurde. Bei Themen SOA, RFID und selbst Open Source ist das weit schwieriger. Besucher, die im Vertrauen auf den Untertitel der Systems, darauf gesetzt hatten, dass neben IT und Kommunikation Medientechniken einen Schwerpunkt bilden, sahen sich bitter enttäuscht - außer sie verstanden darunter Drucker und Plotter.

in ZDNet.de




Systems 2006: Die Messe bleibt eine Hängepartie

Vorbericht

Die Systems findet in diesem Jahr zum 25. Mal statt und gehört heute zu den fünf größten ITK-Messen der Welt. Doch die Zeiten bleiben schwierig – für die Messe wie die Branche.

Das erhoffte Wachstum bei den Ausstellerzahlen ist ausgeblieben und der Rückgang der Besucherzahlen noch nicht gestoppt. Aber immerhin: Die Systems lebt – und das seit 1969. 

Von Jubiläumsstimmung war bei der Präsentation des aktuellen Systems-Programms wenig zu spüren. Dafür gab es schon aufgrund der Zahlen wenig Anlass. Zwar ist es Messechef Klaus Dittrich gelungen, die Beteiligung der Aussteller bei einer Zahl von 1260 (einem kleinen Plus von 2,5 Prozent) zu stabilisieren. Zugleich sank jedoch die Ausstellungsfläche, weil viele Unternehmen ihre Stände verkleinerten. Positive Signale wie der Ausbau des Engagements von IBM und Siemens konnten nicht verbergen, dass renommierte Unternehmen wie Microsoft oder Novell/Suse die Veranstaltung ihren Partnern überlassen oder ganz wegbleiben.  

So schlecht das fehlen großer Namen für die Außenwirkung der Messe ist, so entspricht es doch der mittelständischen Zielgruppe, die meist indirekt, sprich über die Partner beliefert und betreut  werden. Deshalb umwirb die Messegesellschaft in diesem Jahr ganz besonders die Systemhäuser. Ähnlich geht es seit Jahren den Anbieter und Dienstleister aus den östlichen Nachbarländern. Das Konzept der Messe München, sich als  als Einfallstor zu den hier zu Lande vergleichsweise wohlhabenden Kunden anzubeten zieht zum Beispiel immer mehr rumänische Aussteller an. Aber auch Ungarn, Tschechen und Bulgaren kommen seit Jahren.  

Wenig Grund zum Optimismus gibt es offensichtlich auch bei den Besucherzahlen. Dittrich erwartet, dass es mehr als 50 000 werden. Im vergangenen Jahr waren es fast 60 000, und damit 7000 weniger als 2004. Die Zahlen sind umso enttäuschender als im vergangenen Jahr zwei Drittel von ihnen keinen Eintritt zahlen mussten, weil sie von ihren IT-Lieferanten eingeladen worden waren oder über die Gastkarten aus Fachzeitschriften Einlass fanden.

Vorbei sind die Zeiten als  anno 2000 rund 120 000 Interessenten auf die Messe geströmt waren. Der Messechef macht aus der Not eine Tugend und erklärt, dass zwar die Zahl der für Messen freigestellten Mitarbeiter sinkt, die Zahl der Firmen aber steige, die sich für einen Besuch auf der Systems entscheiden. Hier bewähre sich die, wie er es nennt, "geradezu kompromisslose Business-to-Business-Ausrichtung". 

Konferenzen für das "Arbeitszimmer der Branche" 

Tatsächlich kann sich  Dittrich zugute halten, dass seine konsequente Fokussierung der Systems auf Geschäftslösungen für den Mittelstand, sowie die Umstellung des Messekonzepts vom Schaufenster auf das "Arbeitszimmer der Branche" der Münchner ITK-Veranstalung das Überleben sichern konnte. Gut angenommen sind vor allem die pädagogischen Konzepte der Musterfirma und der Themenrundgänge. Verstärkt wird diese Idee, durch die Aufbereitung von Themen mit Zielvorgaben. So wird Open Source in diesem Jahr unter dem Aspekt der Integration in vorhandene IT-Landschaften präsentiert.  

Dieses Konzept birgt zudem den Vorteil, dass sich über Veranstaltungen wie Kongresse, Foren und Vortragsreihen etc. unabhängig von der Standfläche Einnahmen generieren lassen. Schon jetzt wird damit deutlich mehr als die Hälfte des Messeumsatzes erwirtschaftet. Da ist es kein Wunder, dass Dittrich den Veranstaltungsteil der Messe ausbaut.

Jede der sechs Hallen hat mindesten eine auf ihr Thema zugeschnittene Veranstaltung bekommen. Drei davon sind mit den Areas für ERP/CRM (Halle A1), Education (A2) und und Security (A4) verbunden. Die Systems-Foren Mittelstand (A3), Communications (A5) und Innovation (A6) kommen ohne solche Anker aus, auch wenn das Communications-Forum rund um mobile Techniken sinnvollerweise in der Netzwerk-Halle untergebracht wurde. Das  gemeinsam mit dem Branchverband Bitkom betriebene Innovations-Forum mit Themen wie RFID, SOA, RFID und Software-Entwicklung dient allerdings auch zum Auffüllen der Halle Digital Office und Media, in der sonst ein Sammelsurium von Office- und Präsentationslösungen, Drucker und Bildschirme gezeigt werden. Soweit das im Vorfeld festzustellen ist, schwand mit der Trennung von den Medientagen auch das Engagement der Messe für Medien-Techniken (etwa für durchgängige digitale Film- und Fernsehproduktion).  

Hinzu kommen die Kongresse. Unter dem Dach der im vergangenen Jahr besonders erfolgreichen  Communication World, bei der es vor allem um Mobilfunkthemen geht, wird fast zwei Tage lang über Wachstumschancen, Techniken, Geschäftsmodelle, Content und den Unternehmenseinsatz mobiler Lösungen referiert. Hinzu kommen vier zum Teil mehrtägige Fachkongresse zu Business Intelligence (KonwTech), Open Source, Web 2.0 und RFID.  Ebenfalls im Kongresszentrum diskutiert der Münchner Kreis über Web 2.0. Außerdem gibt es noch Fachkonfernenzen für Marketiers, Mediziner, Juristen und Medienschaffende sowie eine Veranstaltung über optische Polymerfastern.  

Von der im vergangene Jahr versprochenen Straffung des Programms kann keine Rede sein. Durch die Vielzahl der mag der Unterhaltungs- und Informationsgehalt der Messe steigen. Der Nachteil ist, die Besucher dieser vor allem von Montag bis Mittwoch anberaumten Veranstaltungen dürften an den ersten Messetagen wenig von der Systems als Messe zu sehen bekommen. Außerdem kollidiert die Vielzahl der notgedrungen gleichzeitig stattfindenden Veranstaltungen mit der Erkenntnis, dass immer mehr Unternehmen nur noch einen Mitarbeiter auf die Messe schicken. Wer sich etwa für ERP interessiert hat kaum mehr eine Chance sich auf der Communications World über mobile Techniken und Geschäftsmodelle zu unterrichten. 

Einfalt in der Vielfalt

Konterkarriert wird die Themenvielfalt in den Veranstaltungen durch eine gewisse Konzentration, die sich in den vergangenen Jahren entwickelt hat. So vermuten die Anbieter beim Mittelstand offensichtlich – und wohl nicht zu Unrecht – vor allem Interesse und Bedarf an Security-Lösungen sowie an ERP, genauer betrieblicher Prozesssteuerung (Halle 1 und Teile der Halle 2). Große Neuigkeiten sind hier allerdings nicht zu erwarten. Allerdings sollen in diesem Jahr die Prozesse von Fertigungsunternehmen stärker ins Rampenlicht gerückt werden. 

Das Übergewicht von ERP und Securty ist nicht ganz ungefährlich für den generalistischen Anspruch der Messe. Dittrich hat das erkannt. Er konnte Austeller wie IBM oder Symantec davon überzeugen, mit einem breiten MIttelstandsangebot aufzutreten. Und auch das Locken von Systemhäusern dient dazu, dem Trend zu einer reinen ERP- und Security-Messe entgegenzuwirken. Insgesamt scheint sich die Systems langsam aus dem Tal der vergangenen Jahre herauszuarbeiten. Dabei hilft mit Sicherheit die anspringenden Binnennachfrage. So steigt laut Branchenverband Bitkom die Investionsbereitschaft von 2005 auf 1006 um 2,5 Prozent. Davon profitieren vor allem die Softwareunternehmen und die IT-Dienstleister. Die Telekom-Industrie dagegen leidet dramatisch unter dem allgemeinen Preisverfall.   

Oktober 2006 in ZDNet.der


Die Systems-Ära

und ihr Ende

Von 1969 bis 2008  hat die ITK-Messe Systems das Hight-Tech-Image Bayerns in die Welt getragen.

Discuss&Discover
–>Hat sie eine Zukunft?
Systems '08
–>Münchens künftiger ITK-Event
–>Das endgültige Aus

Systems '07:
–> Nicht tot zu kriegen

Systems '06:
–> bleibt eine Hängepartie
–> Viel Schatten

Systems '05:
–> Provinz oder Highlight
–> So geht's nicht weiter

Systems '04:
–> Mittelstand und Medien
–> gegen Hersteller-Events

Systems '03:
–> zu sich selbst gefunden

Systems '02:
–> Silberstreifen für Mutlose

Systems '01:
–> Nüchtern aus Verzweiflung


Systems '06: Ex Oriente Lux

Die Münchner Computermesse Systems gilt als Regionalmesse. Doch neben Unternehmen aus Nachbarländern wie Österreich, Schweiz, Tschechien bis Rumänien und Polen, taucht diesmal als leuchtender Exot Ägypten mit einem Gemeinschaftsstand auf.

Das Spektrum der exotischen Firmen reicht von IT-Security-Lösungen, Content-Mangement-Systemen und Data Mining bis hin zu Telekommunikation, Lösungen im Netzwerk-Bereich, E-Business- und E-Learning-Lösungen. Ziel der ägyptischen Aussteller ist es, einen Einblick in den europäischen und deutschen Markt zu gewinnen, neue Märkte in Europa zu erschließen und potenzielle Neukunden anzusprechen.

High-Tech gibt es in Ägypten spätestens seit den Pyramiden. Im Hochmittelalter war es das Zentrum muslimischer Gelehrtheit und auch in modernen Zeiten exportierte das Land Know-how in alle Nachbarstaaten. Auch die ägyptische IT-Industrie kann sich mit einer Wachstumsrate von 7,5 Prozent sehen lassen. Durch die Steigerung der Computerdichte in privaten Haushalten sowie in Unternehmen wird sich das gesamte Volumen des IT-Markts von 823 Millionen Dollar in 2005 auf 1,2 Milliarden Dollar in 2010 mehr als verdoppeln. Zum Vergleich: Die Slowakische Republik verfügt mit ebenfalls 1,2 Milliarden Dollar über ein vergleichbares Marktvolumen – und das bei einer um Faktor 14 niedrigeren Einwohnerzahl. Ägypten hat demzufolge ein enormes Wachstumspotenzial aufzuweisen.

Das Gesamtvolumen der Exporte ägyptischer IT-Produkte und -Services belief sich in 2005 auf rund 150 Millionen Dollar. Dabei stammt der Großteil aus Offshore IT-Outsourcing und umfasst vor allem individuell gefertigte Software sowie die Anpassung von Produkten an lokale Märkte.




Ägypten: Chancen für die deutsche ITK-Branche

März 2006

Als heiße Offshore-Alternative wird derzeit Ägypten gehandelt. Das Land am Nil hätte das Zeug dazu, auch wenn eine Konfrontation mit indischen Dienstleistern nicht in seinem Interesse liegt. Für deutsche ITK-Mittelständler könnte es zum Sprungbrett werden.